LCM - BAU Symposium 2013 – ein Rückblick

„Innovative Trends im Life Cycle Management“

Unter dem Titel „Innovative Trends im Life Cycle Management“ diskutierten beim LCM-Bau Symposium 2013, dem 7. PM-Bau Symposium am 12. Juni 2013, sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer über Lebenszykluskosten, Integriertes Projekt- und Prozessmanagement sowie 5D-BIM-Systeme.

 

Das 7. PM Bau Symposium schloss ein weiteres Mal an die Erfolge der vorangegangenen PM-Bau Symposien an und behandelte auch diesmal hochaktuelle Themen.

 

Für rund 180 Fachleute aus 110 Unternehmen wurde im Kern die Frage diskutiert warum LCM zwar in aller Munde ist, jedoch die praktische Umsetzung in Projekten zum Teil nur bedingt erfolgt und wie ein wesentlicher Beitrag zur weiteren Implementierung geleistet werden kann.

 

Nach der Einleitung des Organisators FH-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Rainer Stempkowski, der die Zielsetzung und Hintergründe des Symposiums erläuterte, hob Dipl.-Ing. Peter Scherer [Geschäftsstelle Bau] in seiner Begrüßung die Wichtigkeit des Themas hervor und stellte fest, dass in den letzten Jahren zwar einiges in Richtung Lebenszyklusbetrachtung gelungen ist, es innerhalb der Baubranche jedoch weiterhin großes Verbesserungspotential gibt. Als Beispiel griff er Gebäudehüllen heraus, die nach wie vor ein weites Feld an Optimierungsmöglichkeiten beinhalten. Zuversichtlich zeigte er sich in Bezug auf die Verbesserung der Planungsqualität durch die digitale Vernetzung sämtlicher Gebäudedaten. Im Zusammenwirken des integrierten Prozessmanagements mit der integralen Planung und den BIM-Systemen sah er eine Möglichkeit künftig den Entstehungsprozess eines Gebäudes wieder verstärkt als Ganzes betrachten zu können.

 

Scherer betonte die Verbindung der Veranstaltung mit dem Auftrag der Wirtschaftskammer zur Wissensvermittlung und der führenden Rolle als Anbieter bauspezifischer Bildung. Das Symposium sieht er dabei auch als Plattform zum Erfahrungsaustausch, wo Best Practice Beispiele mit neuen Lösungsansätzen diskutiert werden, besonders in einer Zeit wo der entscheidende Wettbewerbsvorteil für die Zukunft in der Verbesserung der Mitarbeiterqualifikation liegt.

 

Innovative Trends im Life Cycle Management

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Hans Lechner [TU Graz] leitete durch den Vormittag, an dem neben den Prozessen zur Umsetzung von LCM die Lebenszykluskosten einen wesentlichen Bestandteil darstellten. Der Chairman gab zu bedenken, dass alle Kostenermittlungen Prognosen sind, da die Preise – bei LCC weit in der Zukunft – durch unabhängige Preiskalkulationen unbekannter Dritter gemacht werden. Dieser Punkt wird seiner Meinung nach im Eifer der Kostenberechnungen zu häufig übersehen. 

 

Zu Beginn wurde von FH-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Rainer Stempkowski erwähnt, dass die Berechnung von Lebenszykluskosten eine allgemein gültige Forderung in der Kostenplanung, aber zugleich auch eine echte Herausforderung ist. Es wurde aufgezeigt, worauf bei der Kostenplanung mit Lebenszykluskosten zu achten ist und welche Einflussfaktoren wesentlich und daher genauer zu berücksichtigen sind. Möglichst weitreichende Berücksichtigung der Nachnutzungs- und Umbauphase sowie ausreichende Flexibilität wurde dem Auditorium nahegelegt. Ein wesentlicher Aspekt bei der LCC-Bewertung liegt in der Berücksichtigung der Ertragsseite und in der Umsetzung ertragserhöhender Maßnahmen. Schließlich wurde die viel diskutierte Frage der Auf- und Abzinsung anhand von Beispielen erläutert, wobei heute in vielen Fällen vor allem bei Variantenvergleichen von einer Abzinsung abzusehen ist um die Ergebnisse nicht zu verzerren.

 

Vis.-Prof. Dipl.-Ing Dr. Helmut Floegl [Donau-Universität Krems] vom Department für Bauen und Umwelt forscht gemeinsam mit der Österreichischen Energieagentur und SERA energy & resources gemeinsam im Projekt LEKOECOS. Zusammengefasst geht es hierbei darum, ein Lebenszyklusmodell für Gebäude zur gleichzeitigen Berücksichtigung der unterschiedlichen Ziele ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit zu schaffen. Weiters kann durch LEKOECOS das weiter gesteckte Ziel der Nachhaltigkeit, welches es ermöglicht Kosten und Ressourcenverbräuche aufeinander abgestimmt zu optimieren, erreicht werden.

 

Aus Sicht eines öffentlichen Auftraggebers forderte Ing. Martin Schatzmann, MSc. [Amt der Vorarlberger Landesregierung] einen Wandel weg von der Kostendefinition hin zu einer Qualitätsdefinition. Er berichtete, dass in Vorarlberg seit 2011 bei ca. 50 Projekten der „Kommunalgebäudeausweis (KGA) Vorarlberg“ als Förderungs- und als Lenkungsinstrument verwendet wurde und sieht die Verwendbarkeit im Bereich der Zieldefinition und als Qualitätskontrollinstrument in allen Phasen eines Bauprojektes. Weiters stellte er den „Planungsleitfaden für nachhaltige Landesgebäude“ vor, nach dessen Intentionen alle Gebäude des Landes Vorarlberg geplant und errichtet werden sollen. Durch die Anwendung des Planungsleitfadens und unter Zuhilfenahme des KGA als Qualitätskontrollwerkzeug sieht er die Möglichkeit, die Vorgaben einer nachhaltigen Planung und Objekterrichtung nachvollziehbar in die Praxis umzusetzen.

 

Zum Thema Kostentreiber in Fassaden berichteten Dipl.-Ing. Wolfgang Gollner [Dr. Pfeiler GmbH] und Johannes Zelzer, MSc. [Dr. Pfeiler GmbH] über LCC-Modelle zur Analyse von Reinigungs- und Wartungsmaßnahmen sowie Reinigungs- und Wartungskosten von Fassaden. Mit einem LCC-Tool wurde eine Möglichkeit präsentiert, Lebenszykluskosten für unterschiedliche Glas-Aluminium-Fenster- und Fassadensysteme in einem definierten Betrachtungszeitraum gegenüberzustellen und zu analysieren. Sie gaben der Zuhörerschaft einen Einblick in den Bereich der Fassadenplanung und stellten die damit verbundenen Risiken dar. Weiters gaben Sie einen guten Überblick über die Kostentreiber im Lebenszyklus einer Fassade. Die präsentierten Ergebnisse überraschten die Zuhörer durch die hohen Folgekosten, die mit der Komplexität der Fassade noch zusätzlich stark ansteigen.

 

Dipl.-Ing. Dr. Thomas Belazzi MAS [bauXund forschung und beratung gmbH] und Dipl.-Ing. Bernhard Herzog [M.O.O.CON GmbH] haben in ihrem Vortrag aufgezeigt, dass die faszilitäre lebenszyklusoptimierte Planung für betriebseigene Objekte ohne Sicht auf die Wertschöpfung nicht gelingen kann. Sie bezogen sich dabei auf Erkenntnisse aus der Praxis, die sie unter anderem bei der Anwendung ihrer Lebenszyklusberechnungsmethode „LZK TOOLs ÖKO“ in vielen, unterschiedlich großen Projekten gesammelt haben. In diesem Tool können sowohl ökologische als auch ökonomische Aspekte gemeinsam betrachtet werden. Weiters haben sie die Wichtigkeit von Produktivität hervorgehoben und untermauert, dass eine Produktivitätssteigerung der Mitarbeiter und des Betriebes durch ein nachhaltiges Gebäude um nur 1% eine Erhöhung der Gebäudekosten um 13% rechtfertigt.

 

Im letzten Vortrag des Vormittages hat Frau Ass.-Prof. Arch. Dipl.-Ing. Dr. Iva Kovacic [TU Wien] über die Gestaltung des Lebenszyklus-orientierten Planungsprozesses und die Anwendung der preskriptiv-normativen Strategie zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz referiert. Sie sieht den Fokus der Forschung über die letzten Jahre meistens in der Entwicklung der neuen Technologien für Energieeffizienz und kritisiert die zu geringe Aufmerksamkeit für das Umdenken des Planungsprozesses für nachhaltige Gebäude. Es wurden Versuchsergebnisse präsentiert, die die Vorteile aber auch Grenzen der integralen Planung gegenüber der herkömmlichen sequenziellen Planung aufzeigten.

 

Zu Beginn des ersten Nachmittagsblocks berichtete Univ.-Prof. Arch. Dipl.-Ing Christoph Achammer über Visionen und Wege zur Umsetzung von Lifecycle Building. Dabei erwähnt er, dass bis zu 30% aller Prozesse im traditionellen Planungs- und Bauverfahren Verschwendung sind und ortet Vorteile im integralen Ansatz durch die proaktive Optimierung, Verkürzung der Planungszeiten und der Reduktion von Schnittstellen und Transformationskosten. Eine fundierte Betrachtung von Lebenszyklusmodellen ist schon im Planungsprozess erforderlich und nur dort wirksam und zudem ohne digitale Modellbildung nicht möglich. Organisatorisch ist dafür Sorge zu tragen, dass die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Planern und Ausführenden beispielsweise durch einen Gesamtprojektleiter gemanagt werden, wobei er sich klar für das Modell des Generalkonsulenten ausspricht.

 

BM Ing. Markus Scherrer, MSc. [Rhomberg Bau GmbH] und FH-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Rainer Stempkowski brachten einen Beitrag zur Philosophie und Praxis des integrierten Prozess- und Projektmanagements im Bauwesen. Dabei wurden von ihnen im Hinblick auf andere Industriebranchen die klassischen Abläufe im Bauwesen kritisch hinterfragt. Ein integriertes Prozess- und Projektmanagement Modell wurde anhand von zwei Schritten dargestellt. Schritt 1 ist die Definition der Teilprozesse für die einzelnen Phasen bzw. die Umsetzung der Projektmanagement-Ansätze in den Phasen. Schritt 2 legt den Focus auf Schnittstellen zwischen den Teilprozessen zur Berücksichtigung der individuellen Rahmenbedingungen. Um die immer höher werdenden Anforderungen erfüllen zu können, sehen sie z.B. Systembauweisen als Möglichkeit für hohe Planungs- und Ausführungsqualität, optimierte Logistik bzw. Montage, Kosten- und Terminsicherheit sowie laufende Optimierungsprozesse. Anhand der Systembauweise des Life Cycle Towers wurde die praktische Umsetzbarkeit des Managementmodells bewiesen.

 

Univ.Proj.Ass. Dipl.-Ing. Lars Oberwinter [TU Wien, Vasko+Partner] hat die letzte Session zum Thema Building Information Modeling gestartet. Er sah, mit der fortschreitenden technischen Entwicklung von BIM Anwendungen, einen drastischen Anstieg der Anforderungen an die Daten-Schnittstellen für einen interdisziplinären Daten- und Informationsaustausch. Ebenfalls führte er Probleme an, die, wie die Planungspraxis zeigt, bei der BIM-Implementierung entstehen können. Im Wesentlichen entspringen diese Probleme entweder der technischen Ebene (heterogene Datensätze, Schnittstellen und große Datenvolumen) oder der Prozessebene (Verantwortlichkeiten und Arbeitsteilung, Fehlen von Konventionen und Standards).

 

Ebenfalls zum Thema BIM-Technologie berichteten M.Eng. Tobias Brinker [JOHANN BUNTE Bauunternehmung GmbH & Co. KG und M.Eng. Jens Bredehorn [Bergische Universität Wuppertal]. Es wurde erwähnt, dass es durch die immer weiter fortschreitenden Möglichkeiten im Planungsprozess immer schwieriger wird, die Disposition zwischen den Einzeldisziplinen verifizierbar zu koordinieren. Die Begleitung des ganzheitlichen Bauwerkmodells über den Lebenszyklus eines Gebäudes bietet die Möglichkeit, nachhaltige Prozesse nachvollziehbar im Datenmodell zu ergänzen und zu  analysieren.

 

Sie betonten, dass ein fehlerfreies 3D-Gebäudedatenmodell die Grundlage für die BIM-Methodik ist. Nach dem Export des 3D-Modells kann die Kosten- und Terminplanung integriert werden. Zur weiteren Verbesserung der Softwareprodukte wurde auf die Abhängigkeit der Softwarehäuser von den Praxiserfahrungen der Anwender hingewiesen.

 

Abschließend rückte Ing. Michael Jug, MBA [i-pm GmbH] den Menschen selbst in den Mittelpunkt. Bei allen Möglichkeiten der Rationalisierung und automatisierten Abwicklungsverfahren, weist er auf die Wichtigkeit von persönlichen Besprechungen als Austausch von Informationen hin, da lediglich 10% bis 20% der Botschaft mit den Inhalten der Worte gesendet werden. Weiters stellte er die Phasen der Veränderung in der Praxis vor – diese sind: Zufriedenheit, Verleugnung, Verwirrung und Erneuerung. Jede neue Entwicklung und jedes neu eingeführte Software-Tool ruft diesen Prozess bei allen Mitgliedern eines Projektteams hervor und wird von jedem einzelnen mehr oder weniger rasch durchlaufen. Es ist daher durchaus sinnvoll sich bei der Einführung von Tools und IT-Systemen bewusst mit diesen Phasen auseinander zu setzen.

 

Auch in der anschließenden durch den Chairman des letzten Blocks O. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Dr.h.c. Hans Jodl [TU Wien] geführten Diskussion gab es Einigkeit darüber, dass IT-Tools und Building Information Modeling, richtig eingesetzt, zwar eine wichtige Unterstützung sind, dass es letztendlich aber weiterhin an uns Menschen liegt, gemeinschaftlich Projekte zum Erfolg zu führen.

 

FH-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Rainer Stempkowski präsentierte am Schluss das gemeinsam mit Dipl.-Ing. Dipl.-Ing. (FH) Evelin Waldauer herausgegebene neue Buch „Risikomanagement-Bau“. Unter den vielen interessierten Teilnehmern wurden die ersten drei druckfrischen Exemplare verlost und noch bis spät abends „nachbesprochen“.

 

>> weitere Informationen zum Buch "Risikomanagement Bau"

 

Alles in allem war das 7. PM Bau Symposium nicht nur durch die vielen neuen Inputs aus den Fachvorträgen und anschließenden Diskussionen ein interessanter Tag, es gab auch viele Möglichkeiten das eigene Netzwerk weiterzuentwickeln.

 

Ausblick 8. PM-BAU Symposium – LCM-Bau Symposium 2015

Die Symposiums-Reihe der Veranstalter Netzwerk Bau mit der Geschäftsstelle Bau der Wirtschaftskammer Österreich, BAUAkademie, den Hochschulen TU Wien, TU Graz, Donau Universität Krems, FH Campus Wien und dem ÖIAV wird am 11. Juni 2015 weitergeführt.

www.lcm-bau-symposium.at

 

 

Zum Thema LIFE CYCLE MANAGEMENT Bau – Nachhaltiges Bauprojektmanagement gibt es bereits seit 2011 auch ein eigenes postgraduales Studium an der Donau-Universität Krems. Der bereits dritte Lehrgang startet im Oktober 2013.